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Kinder- und Jugendbücher

Generelle Empfehlung

 
Achten Sie beim Kauf von Büchern auch auf die Darstellung von Geschlechterrollen und auf die Repräsentation von unterschiedlichen alternativen Lebensformen. Neben Homo-, Bisexualität und Transgenderlebensweisen sind damit auch „Patchworkfamilien“, Adoptiv-/ Stief-/ mehr-Eltern und Einelternfamilien, Personen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen etc. gemeint. Eine durchmischte Auswahl an Büchern kann helfen, ein breites Spektrum an Lebenseinstellungen und Lebensweisen zu vermitteln und bei den Kindern und Jugendlichen sowohl einen Grundstein an Akzeptanz fördern als auch alternative Möglichkeiten bieten, die eigene Identität zu stärken.

Wir haben keine Altersangaben gemacht, da sie als Lehrerin / Lehrer am besten wissen, welche der Empfehlungen für ihre Schülerinnen und Schüler angemessen ist.




Bilderbücher



Haan, Linda De & Nijland, Stern (2001) König und König. - Hildesheim.


Es gab da eine Königin, die des Regierens müde war. Sie beschloss für sich eines Tages, dass ihr Sohn, der Kronprinz, heiraten müsse. Der Kronprinz, der gar nicht heiraten wollte, ließ sich von seiner Mutter überreden. So suchten die beiden gemeinsam eine Prinzessin aus.

 

So recht wollte ihnen aber weder die Prinzessin Dolly aus Texas, USA, noch die grüne Prinzessin aus Grönland gefallen. Auch die elegante Prinzessin Radschandimaschputtin aus Bombay eroberte nicht das Herz des Kronprinzen.

 

Die Königin und ihr Sohn waren ratlos, bis ihnen der Kammerdiener Prinzessin Liebegunde mit ihrem Bruder Prinz Herrlich hereinführte. Es war um den Prinzen geschehen. "Was für ein bildschöner Prinz!", riefen die Prinzen begeistert.

 

Eine ganz besondere Hochzeit wurde ausgerichtet, die nicht nur der Königin vor lauter Rührung Tränen in die Augen trieb. Von nun an regierten der "König und König" und die Königin ging in Pension.

 



Willhoite, Michael (1994) Papas Freund. – Berlin.


Die Eltern eines kleinen Jungen lassen sich scheiden. Papa zieht zu seinem Freund Frank. Der Sohn besucht oft seinen Papa und dessen Lebenspartner. Die beiden Männer unternehmen viel mit dem Jungen. Ihm wird das Zusammenleben der gleichgeschlechtlichen Erwachsenen immer vertrauter.

 

Die Mutter klärt ihren Sohn über Vaters Beziehung zu seinem Freund auf: "Mama sagt, Papa und Frank sind schwul. Erst habe ich das nicht verstanden, deswegen hat sie es mir erklärt. Schwulsein ist nur eine andere Art zu lieben. Und Liebe ist die schönste Art glücklich zu sein. Papa und sein Freund sind sehr glücklich miteinander. Und ich bin's auch."

 

 



Schreiber-Wicke, Edith / Holland, Carola (2006) Zwei Papas für Tango. – Stuttgart.


Die Pinguine Roy und Silo leben im Zoo von New York und geben ihren Pflegern einiges Kopfzerbrechen auf, denn die beiden Jungs interessieren sich einfach nicht für Pinguinmädchen, sondern stecken immer nur zu zweit zusammen. Als sie getrennt werden, ist die Trauer groß. Da man das nicht mit ansehen kann, kommen sie wieder zusammen in ein Gehege und die Wiedersehensfreude ist groß.

 

Die beiden Jungs bauen zusammen ein Nest und beginnen - sehr zur Verwunderung der Pfleger - mangels Ei einen Stein auszubrüten. Auch das kann man nicht mit ansehen. Deshalb schieben die Pfleger ihnen ein echtes Pinguin-Ei unter. Heraus schlüpft Tango - und die Familie ist komplett.

 

Keine Familie wie jede andere, aber eine glückliche.


 



Kinderbücher



Funke, Cornelia (2003) Die wilden Hühner und die Liebe. – Hamburg.


Liebe ist schön, aber gar nicht so einfach! 

 

Das müssen auch die fünf wilden Hühner einsehen. Sprotte ist zwar weiterhin glücklich in den Pygmäen Fred verliebt, aber ihre Mutter kann sich nicht entscheiden, ob sie wieder heiraten soll oder nicht. Und das geht Sprotte ganz schön auf die Nerven. Die schöne Melanie ist immer noch in Willi verknallt, Trude entdeckt ihre Vorliebe für schwarze Locken und Frieda muss sich mit einer Wochenendfreundschaft herumärgern. 

 

Wilmas erste Liebe aber ist die komplizierteste von allen! Was daraus wohl wird?

 



Pohl, Peter (1989) Jan, mein Freund. – Ravensburg.


Jan fällt allen auf. Weil er artistisch Fahrrad fährt wie kein Zweiter. Außerdem ist Jan rothaarig und hat so weiche Gesichtszüge, dass viele ihn für ein Mädchen halten. Niemand kennt seine Adresse oder weiß, wo und ob er zur Schule geht. Und manchmal ist Jan für Wochen verschwunden.

 

Peter Pohls „Jan, mein Freund“(1989) gehört mittlerweile zu den Klassikern, den die Literaturdidaktik auch schon für den Unterricht entdeckt hat. Dieses Buch wurde von der Literaturkritik gefeiert, weil hier die Aufweichung der Geschlechtergrenzen thematisiert wird.

 

Wird in diesem Buch bis zum Schluss mit den Kategorien „weiblich“ und „männlich“ gespielt, so bedeutet dies auch für die LeserInnen eine Verunsicherung. Jan verfügt über einen mädchenhaften Körper und manchmal auch über "weibliches" Anlehnungsbedürfnis, aber sie/er folgt immer wieder den Klischees von Männlichkeit - ist mutig, sportlich, verschlossen und schlägt sich gut. Hier findet sich tatsächlich eine Aufhebung von Kategorien.
 


 



Jugendbücher



Bauer, Marion Dane (Hg.) (1996) Am I Blue? : 14 Stories von der anderen Liebe. – Hamburg.


14 ganz unterschiedliche Geschichten über Homosexualität. Sie erzählen vom Anderssein, von Akzeptanzproblemen und einfach vom Verliebtsein und vom Glück.

Für die meisten Jugendlichen in diesem Buch ist es die erste Erfahrung mit einer Person des gleichen Geschlechtes und so ist Verwirrung vorprogrammiert. Die Jugendlichen sind auf dem Weg ihrer Selbstfindung und die Sexualität spielt dabei eine ziemlich große Rolle.

Abwechselnd werden Geschichten von lesbischer und schwuler Selbstfindung erzählt. Auch geht es um die "verwirrten Küken", die nicht so genau wissen, was sie denn nun sind: homo, bi oder hetero. Vermittelt wird das Lebensgefühl: Alles kann, nichts muss.



Cazemir, Caja (2004) Verliebt Sein ist eine Katastrophe. – Hamburg.


Die Geschichte handelt davon, wie Myra entdeckt, dass sie anders ist. Sie hat sich bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder in Jungs verliebt. Doch dann lernt sie Jessica kennen, die ihr eine gute Freundin wird. Jessica ist lesbisch und Myra weiß das.

Anfangs sind beiderseits keinerlei Gefühle, bis auf freundschaftliche, da. Doch dann verliebt sich Jessica in Myra und Myra ungewollt auch in Jessica. Doch will sie es nicht glauben, dass sie lesbisch sein soll, und kämpft deshalb dagegen an.

 

Es wird abwechselt aus der Sicht von Myra und von Jessica erzählt (Immer aus der 3.Person). Dieses Buch zeigt den Kampf auf der in Jugendlichen entsteht, wenn sie damit klarkommen sollen, dass sie anders sind - in diesem Fall lesbisch.

 

 

 



Dijk, Lutz van (2005) Verdammt starke Liebe. Die wahre Geschichte von Stefan K. und Willi G. – Stuttgart.


Stefan ist vierzehn Jahre alt, als sich mit dem Überfall Deutschlands auf Polen im Sommer 1939 sein Leben über Nacht ändert. Er, der immer ein guter Schüler war, darf nun nicht mehr die Schule besuchen, sein Vater wird als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert. Zweieinhalb Jahre später geht es für ihn und seine Familie nur noch ums Überleben. Da lernt er Willi kennen, einen jungen deutschen Soldaten, kaum älter als er selbst.

Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick - doch Liebe zwischen Männern darf nach nationalsozialistischer Ideologie nicht sein. Trotz der ungeheuren Gefahr, die eine Beziehung für sie beide bedeutet, gehen sie das Wagnis ein. Nach einigen Monaten des heimlichen Glücks wird Willi an die Ostfront versetzt. Stefan ist verzweifelt. Als er über Wochen keine Nachricht von Willi erhält und sich Gerüchte mehren, dass die deutsche Armee bei Stalingrad eingekesselt ist, schreibt er ihm einen verhängnisvollen Brief.

 

Wenig später wird er verhaftet, gefoltert und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Stefan überlebt in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern den Krieg - doch was aus Willi geworden ist, erfährt er nie.

 



Brodin, Elin (2000) Lieber Poti. – Zürich.


Siebzehn Jahre war Sofie, als sie Poti kennenlernte, den total Verrückten. Der hatte für ihr Disco-Rumgehopse und ihre Gier nach Markenklamotten nur ein Grinsen übrig. Poti sah wild und geheimnisvoll aus, er schminkte sich und er liebte Adrian, den Punk. Und trotz aller Unterschiede entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen Poti und Sofie.

 

Dann wurde Poti krank, AIDS. Ein Jahr nach seinem Tod faßt Sofie ihre Erinnerungen an Poti in einem langen Brief zusammen.

 

Die Autorin schreibt durch ihre Sprache sehr nah an der Lebenswelt Jugendlicher und erzählt das ernste Thema ohne Pathos und bedrückende Schwere. 

 



Dros, Imme (2000) Lieber Philip. – Weinheim.


Philip ist ein niederländischer Teenager. Er hatte schon viele Freundinnen, aber mit keiner war er wirklich glücklich. Er verbringt viel Zeit mit seiner besten Freundin, der farbigen Diana. Das allein führt in Teilen seiner konservativ-altmodischen Familie zu Gerede. Aber Philip stört das nicht. Er lernt Dianas Cousin Roger kennen. Die beider freunden sich an und verbringen fast ihre gesamte Freizeit miteinander. Eines Tages outed sich Roger als schwul. Philip ist entsetzt und läuft davon. Er will den "Homo" nie wieder sehen oder sprechen. So beginnt Roger Briefe zu schreiben: Lieber Philip...

Nach langer Zeit nähern sie sich wieder einander an und finden schließlich zueinander. Nun müssen noch die Familien aufgeklärt werden.

Ein wunderschönes Buch, welches nicht nur das Thema Homosexualität beinhaltet, sondern auch Rassismus zumindest anschneidet. Es ist ein Aufruf, zu dem zu stehen, was man fühlt und zu den Menschen die man liebt.

 



Fessel, Karen-Susan (2001) Steingesicht. – Hamburg.


Gerade fünfzehn Jahre alt, aus der Weltstadt Berlin in ein Nest aufs Land verschlagen - da muss einem ja das Lachen vergehen. Aber ausgerechnet in diesem Nest findet Leo einen Sinn in ihrem neuen Leben - und damit auch ihr Lachen wieder.

 

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Leontine, genannt Leo, schon früher zu ihrer Tante Wanda, die in einem Nest bei Braunschweig eine Schuhmacherwerkstatt betreibt, hätte ziehen dürfen. Leo ist in so genannten zerrütteten Verhältnissen in Berlin aufgewachsen. Als sie mit fünfzehn endlich bei Wanda leben darf, ist es fast zu spät. Das Lachen ist ihr vergangen und sie vermeidet es, Gefühle zu zeigen, egal, was passiert. »Steingesicht« nennt Wanda sie liebevoll.

 

Mit ihrer Hilfe gelingt es Leo, sich in ihrem neuen Leben einzurichten - und mehr noch: Die tolerante, lebensfrohe Wanda bietet Leo die Möglichkeit, sich selbst kennen zu lernen und auch ihr Anderssein zu akzeptieren. Das »Steingesicht« lernt lächeln und spürt ein nie gekanntes Vertrauen zum Leben. Und zu sich selbst.

 



Fessel, Karen-Susan (2005) Jenny mit O. – Berlin.


Die 17-jährige Jenny will nur eins: weg! Weg aus Groß Klein bei Rostock, weg von ihrem Stiefvater, der sie nur wegen des Kindergeldes duldet, weg von der Clique, in deren Rollen sie gar nicht zu passen scheint. Kurzum: Weg von allem, was ihr bisheriges Leben ausgemacht hat. 

 

Es zieht sie in die Großstadt, nach Berlin, genauer gesagt nach Kreuzberg. Im bunten Durcheinander der pulsierenden Stadt kann sie sich neu erfinden, kann endlich damit anfangen, der Mensch zu werden, der sie in der Provinz niemals hätte sein können. Jennys Reise wird begleitet von Straßenkids, Sozialarbeitern und Szenelesben, ausgeflippten Kumpels und zwielichtigen Gaunern. Doch Jenny findet Halt bei der älteren Vertrauten und Mentorin Mascha, dem liebevollen besten Freund und Punk Bifi und immer wieder bei Carolin, dem Mädchen mit den schönen, blauen Augen. 

 

„Jenny mit O" ist eine manchmal melancholische, manchmal dramatische, aber immer spannende und waghalsige Reise eines jungen Menschen zu sich selbst und der eigenen, neuen Identität - gegen alle Widerstände und Konventionen.

 



Fox, John (1997) Die Jungs auf der Klippe. – Berlin.


"Die Jungs auf der Klippe" ist eine wunderbare und rasant erzählte Geschichte über die Erlebnisse und Gefühle des 16jährigen Highschool-Schülers Billy Connors. Billy ist Mitglied der Schwimmmannschaft und in seiner Klasse sehr beliebt. Eigentlich 'geht' er ja auch mit einem Mädchen - aber eben nur eigentlich ...

 

Denn in Wirklichkeit träumt Billy von Männern, und er macht sich große Sorgen, daß jemand davon erfahren könnte. Eines Tages, als Billy den 20jährigen Al kennenlernt und sich zum ersten Mal so richtig verliebt, wirft er alle seine Ängste über Bord und hat sein Coming-out.


Wie Billy sich und den anderen die Stirn bietet, wie er lernt, erwachsen zu werden und zu genießen, was schwule Liebe und Sex bieten können, davon handelt dieser einfühlsame und bewegende Roman, der zu einem Klassiker der Coming-out-Literatur avancierte.

 



Frey, Jana (1997) Ich nenn es Liebe. – Wien.


Wollt Ihr wissen, wie sich ein fünfzehnjähriger Junge fühlt, der zu ahnen beginnt, daß er homosexuell ist? 
Ihr könnt es hautnah miterleben, denn Moritz (15 Jahre), um den es in diesem Buch geht, läßt Dich teilhaben an seinen Gefühlen der Verwirrung, der Unsicherheit, des Verliebtseins, der Verzweiflung, des Alleinseins, der Enttäuschung, an seinen Problemen mit sich selbst und den anderen......


Es ist ein schwieriger, langer Weg, den Moritz gehen muß, bis er zu sich selbst findet: er glaubt, in Marie verliebt zu sein, begehrt sie aber nicht. Andererseits mag er sich auch nicht eingestehen, was wirklich mit ihm los ist, was an ihm anders ist. Denn er hat mitbekommen, daß nicht nur die Mitschüler und Lehrer, sondern vor allem auch die eigenen Eltern mit Vorurteilen auf Homosexuelle reagieren. Wie soll man es da schaffen, zu sich selbst zu stehen, wenn man mit soviel Unverständnis konfrontiert wird? 


Als Moritz eines Tages Christian begegnet, kann er nicht länger verbergen, daß er schwul ist. Diese Freundschaft hilft ihm, sich endlich so zu akzeptieren wie er ist und sich zu outen. Schon 18jährig, erlebt er zum ersten Mal die große Liebe und sexuelle Erfüllung.  

 



Homes, A.M. (1989) Jack. – Köln.


Jack ist ein 15-jähriger Teenager, der wie die meisten Teenager einfach nur normal sein möchte. Auch wenn normal sein bei ihm heißt, Kind geschiedener Eltern zu sein und einen ziemlich merkwürdigen besten Freund zu haben.

Aber als Jacks Vater mit ihm auf einen See hinausrudert und ihm dort im Boot eröffnet, er sei schwul, ist für Jack nichts mehr normal. Jack muss für sich neu definieren, was »Familie« heißt. Warum erfährt er als letzter, dass sein Vater schwul ist? Warum muss sein bester Freund Max die Neuigkeit in der Schule verbreiten und ihm das Leben zur Hölle machen? Und was wird Maggie von all dem halten? Warum kann er nicht eine normale Familie haben, so wie Max?

Dass es bei seinem besten Freund alles andere als rosig aussieht, erlebt Jack bei einem Wochenendausflug mit der Familie des Freundes.

Jack sucht und findet seinen Weg – auch in unsere Herzen.

 



Meißner-Johannknecht, Doris (1999) Amor kam in Leinenschuhen. – Ravensburg.


Seit Johanna, genannt Jojo, mit ihren Eltern nach Berlin umziehen mußte, herrscht bei ihr das totale Chaos. Die neue Wohnung im piekfeinen Berliner Westen ist schon toll, aber diese Riesenstadt macht ihr angst, das fieberhafte Tempo geht ihr auf die Nerven, und am Gymmi hagelt es miese Zensuren. Jojo will zurück in ihr früheres Leben, in ihre Kleinstadt, und sie hat Sehnsucht nach ihrer Freundin.

 

Erst als sie mit der stillen, nachdenklichen Franziska zusammen ist, beginnt sich das zu andern. Mit ihr kommt Jojo "an" in der Stadt. Aber dann geschieht schon wieder etwas Neues. bemerkt, daß in ihrer Beziehung zu Franziska irgend etwas Besonderes ist- mehr als Freundschaft.

 

Und Jojo gesteht sich ein, sie hat sich in die andere verliebt. Was jetzt? Wieder Chaos?

 



Meumann, Sabine (2003) Das Mädchen Franz. – Frankfurt a. M.


"Er, sie, Franz, wer war er eigentlich, sie, Franziska?"

 

Wieder nichts geworden, schimpft die Hebamme, als sie Franz/Franziska auf die Welt zerrt. Wieder nur ein Mädchen. Und Franz beschließt, "ein Mensch zu sein, weiter nichts".

 

Er spielt den Jungen und beobachtet die Mädchen. Ist es wirklich reizvoll, eine Frau zu sein, in einer Welt, die aus winkenden Hausfrauen hinter Küchenfenstern und Angestellten mit kleinen Hüten besteht? In der Männer samstags ihr Auto herzen und Frauen Teppichfransen kämmen? Nicht umsonst ist Klein-Franzens erstes Wort ist "abhauen".

 

Was ist weiblich, was männlich? Und was lebenswert? Diesen Fragen spürt Sabine Neumann in ihrer Erzählung Das Mädchen Franz nach -- ein berührendes Lesestück und das treffsichere Porträt einer Kindheit und Jugend in den 60er- und 70er-Jahren.

 



Müntefering, Miriam (1999) Flug ins Apricot. – München.


Die meisten Menschen schwärmen vom Blau des Himmels, manche natürlich auch vom Glutrot oder Purpur eines Sonnenuntergangs. Aber Apricot?

 

Franziska ist sechzehn, wohnt in einem kleinen Kaff in der Nähe von Düsseldorf und liebt die Farbe am Abendhimmel, wenn die Sonne kurz davor ist, unterzutauchen. Manchmal möchte sie regelrecht in diese Farbe hineinfliegen.

 

ln die Neue in die Klasse kommt, verliebt sich Franziska sofort: Alex heißt die Schöne und Unnahbare. Nach turbulentem Herzflattern und viel Aufregung finden sie schließlich zusammen, jedoch bleibt ihr Glück nicht ungetrübt: Alex' Vater erwischt sie, als sie sich leidenschaftlich küssen. Seitdem ist er ziemlich unbequem, weswegen es Alex immer schlechter geht ...

 



Müntefering, Miriam (2001) Apricot im Herzen. – München.


Der Titel wird mit Apricot im Herzen weitergeführt, genauso wie die Geschichte der beiden Junglesben Franziska und Alex, die inzwischen seit einem halben Jahr ein Paar sind. Aber Verliebtsein hin oder her -- so langsam tauchen die ersten Probleme in ihrer Beziehung auf. Was zu Ende des ersten Romans schon angeläutet wurde, zieht sich als dicke Alarmglocke durch den Nachfolger: Das Coming-out vor den Eltern. Alex Vater hatte seine Tochter mit Franziska im Bett erwischt -- wo sie sich nicht nur befanden, um einander im Liegen die Vokabeln abzufragen -- und seine wütende Reaktion ließ keine Fragen offen.

Alex, die bereits früher in der Schule durch ihr Lesbischsein sehr große Probleme hatte, fühlt sich bestätigt in ihrer Vermeidungstheorie. Die Beziehung zu Franziska wird versteckt und geheim gehalten -- lediglich Franziskas beste Freundin Mercedes und ihr Freund Carsten wissen Bescheid.

 

Franziska quält diese Heimlichtuerei immer mehr, sie fordert von Alex mehr Offenheit, ist gekränkt, wenn diese in der Öffentlichkeit so verschlossen ist und sich auch in ihren Diskussionen über das Outen immer mehr verschließt. Aber auch Franziska hat es ihren Eltern noch nicht erzählt und es liegt ihr mehr und mehr auf der Seele. Und dann gibt es da noch Lydia aus ihrem Schreibkurs, die ein paar Jahre älter ist und alles so gut im Griff zu haben scheint...

 



Olsson, Hans (2002) Rollenspiele. – Hamburg.


Das Anstrengende an der Penne war all das andere - das Rollenspiel, den Schein wahren. Wie unbeschwert könnte das Leben für Johann Alexander Lindström sein, inmitten seiner Clique, zwischen Bräuten und Basketball, wäre er wie die anderen. Im ständigen Zwiespalt zwischen Verlangen und Abwehr erlebt Johann die Dramatik seines coming out.

Hans Olsson beschreibt sehr anschaulich Johan Alexanders Ängste vor dem Coming-Out und wie sehr ihm die Bemerkungen seiner Freunde über Schwule zu schaffen machen.

Ein großartig wahrhaftiges Buch: komisch, schnoddrig und wüst und im nächsten Moment bedrückend ernst schildert Hans Olsson die ungeheuerliche Angst und die tiefe Glückseligkeit in den Lieben eines fünfzehnjährigen Jungen - zu anderen Jungen.

 



Peters, Julie A. (2006) Luna. – München.


Die 16-jährige Regan tut für ihren älteren Bruder Liam alles, doch es belastet sie stark, dass sie als Einzige von seinen zwei Identitäten weiß. Denn Liam ist transsexuell, ein Mädchen in einem männlichen Körper. Nacht für Nacht verwandelt er sich mit Hilfe von Perücken und Kleidern in das Mädchen Luna, um seinem wahren Ich Raum zu geben.

 

Tagsüber schlüpft Liam in die Rolle des Mädchenschwarms und phantastischen Schülers, der vor seinem Vater den echten Kerl mimt. Schon seit Kindertagen geht Liam nur mit Ally aus, seiner besten Freundin, die auf eine intime Beziehung zu ihm hofft. Regan hingegen gilt als Einzelgängerin, denn Liam/Lunas Geheimnis mit zu tragen, lähmt ihre sozialen Aktivitäten. Und als sich Chris, ein neuer Mitschüler, um sie bemüht, wird Regans Sehnsucht nach Normalität übermächtig.

Doch während sie sich bemüht, ein richtiges Teenagerleben zu führen, trifft Liam/Luna folgenschwere Beschlüsse. Schon längst ist er online mit einer Frau mit transsexueller Vergangenheit in Kontakt und das Treffen mit ihr zeigt Liam, dass es eine Zukunft für Luna gibt, und er beginnt, seine eigene Geschlechtsangleichung vorzubereiten. Als Liam sich Ally und seinen Eltern gegenüber als Luna outet, brechen Welten zusammen ...

 



Steinhöfel, Andreas (2000) Die Mitte der Welt. – Frankfurt a. M.


Die Mitte der Welt ist die Geschichte eines Zwillingspaares, Phil und Dianne. Die beiden werden von ihrer Mutter, Glass, alleine groß gezogen. Die Umstände ihrer Geburt sind ziemlich ungewöhnlich und auch die junge Glass, kaum 18 Jahre alt, paßt nicht in das Klischee der perfekten Mutter.

 

Doch eines gibt sie ihren Kindern mit: "Seid stark und wehrt euch. Wer euch verletzt, dem tut doppelt weh oder geht aus dem Weg, aber laßt euch niemals vorschreiben, wie ihr zu leben habt."

 

Es sind keine leichten Kämpfe, die Dianne und Phil führen. Phil erkennt mit zunehmendem Alter, daß er homosexuell ist. Er findet einen Freund, doch leider bleiben bei der ersten großen Liebe die maßlosen Enttäuschungen nicht aus.

 

Die poetische Sprache Steinhöfels sind eine Stärke des Buches. Zum anderen erzählt er nicht nur die Geschichte einer Pubertät, die mit dem Coming-out des Jungen endet. Nein, jede Figur hat ihre Geschichte und natürlich ihre eigenen Geheimnisse, die sich langsam vor den Augen des Lesers entwickeln. Der humorvolle Ton, die Slapstick-Einlagen, erinnern an John Irvings Hotel New Hampshire. Ein ausgezeichneter Jugendroman - auch für Erwachsene.

 



Vendel, Edward Van De (2001) Spring, wenn du dich traust. – Hamburg.


Spring, wenn du dich traust erzählt die Geschichte eines etwa 18-jährigen jungen Mannes namens Tycho. "Tycho lebte schon seit Jahren in seinem Kokon. Die Tage öffneten und schlossen sich wie Schulmappen. ...

 

Zweimal am Tag warf er einen Blick in den Spiegel, einmal morgens und einmal abends, und in der Zeit dazwischen dachte er nicht an sich. Bis kurz vorm Abitur." Auf die ständig wiederkehrende Frage, was er werden wolle, weiß er keine rechte Antwort und doch fasst er einen Entschluss. Er fährt in den Sommerferien nach Amerika in ein Sommercamp. Tycho trifft Oliver bereits auf dem Flughafen in Amsterdam. Oliver erzählt während des gemeinsamen Fluges über seine Leidenschaft, den Fußball, und sie verstehen sich auf Anhieb.



Der innere Konflikt löst sich zum Glück auf, doch damit fangen die Probleme in der kleinen Welt des Jugendcamps erst an. Es folgt der Rausschmiss des jungen Glücks, die Reise in die Heimat Olivers nach Norwegen und eine harte Entscheidung.

Die Stärke liegt vielmehr in der bildhaften und ausdruckstarken Sprache des Autors, in der unaufdringlichen Auseinandersetzung mit dem Anderssein, dem gelungenen Aufbau des Buches und in der Bedeutung eines Tattoos als prägendes (Lebens-) Zeichen.

 



Van Lieshout, Ted (1998) Bruder. – Weinheim.


In Deutschland erhielt der Niederländer Ted van Lieshout für sein Jugendbuch Bruder die höchste Auszeichnung in seiner Sparte, den Deutschen Jugendliteraturpreis 1999. Und in der Tat hat die Jury mit dieser Wahl eine äußerst glückliche Hand bewiesen, denn Bruder gehört uneingeschränkt zu den schönsten Jugendbüchern.

 

Im September 1972 stirbt Marius. Er wurde nur vierzehn Jahre alt. Nach sechs Monaten räumt die Mutter sein Zimmer endlich leer und beschließt, seine Sachen zu verbrennen. Luuk, der Bruder, findet dabei das Tagebuch von Marius. Vor einigen Jahren hat er es ihm zum Geburtstag geschenkt, und er beginnt zu lesen. Noch einmal kommt es zu einer Annäherung an den Verstorbenen: Luuk beginnt Marius' Aufzeichnungen zu kommentieren. "Du bist ganz allein gestorben. Ich hoffe, du hast es nicht gemerkt, daß du stirbst. Ich hoffe, daß du geschlafen hast. Oder daß du zufällig ein letztes Mal geblinzelt hast und über deine Wimpern gestolpert bist.

 

Für den Leser entwickelt sich ein sehr dichtes Bild der schwierigen Beziehung zwischen den ungleichen Brüdern. "Kannst du noch jemandes Bruder sein, wenn dieser Jemand nicht mehr lebt?" In der Rückschau werden die ersten Symptome der tückischen Krankheit von Marius sichtbar, seine vielen vergeblichen Bemühungen mit dem Bruder ins Gespräch zu kommen. Und im Nachhinein stellt sich auch heraus, daß die beiden Brüder sich mit demselben Problem, der Homosexualität, herumgeschlagen haben.

 

Ein wunderschöner, trauriger Roman, der in einer sehr sensiblen Sprache die Themen Homosexualität und Tod angeht.

 




Jugend-Sachbücher



Kremers, Patrick & Nebel, Matthias (2007) Südlich von Hetero. Schwule Jugendliche gehen ihren Weg: eine Reise durch Deutschland. – Hamburg.


Schwule Jugendliche gibt es überall.

 

Auf dem Land, in der Großstadt, im Norden, im Süden. An Schulen, im Schwimmverein und im Jugendclub. Manche haben Probleme wegen ihrer Homosexualität und bei anderen spielt es eigentlich keine Rolle. Und genauso zahlreich wie sie sind, sind auch ihre Lebenswelten.

 

Mit diesem Buch wollen die Autoren versuchen, Klischees entgegenzutreten und zu zeigen, dass es „den" schwulen Jungen nicht gibt.Die Idee: 10 ganz unterschiedliche Jugendliche aus verschiedenen Orten in Deutschland treffen und sich mit ihnen unterhalten - erfahren, wie sie leben, was sie bewegt und Schwulsein für sie bedeutet. Dafür haben die Autoren im August und September 2006 eine Tour durch Deutschland unternommen.

 

Es entstand ein beeindruckendes Porträt von zehn völlig unterschiedlichen Jungen, die über ihre Erfahrungen, ihr Coming-out und Leben in einer teils überraschend toleranten, teils erschreckend aggressiven Umwelt berichten.

 



Watzlawik, Meike / Wenner, Friederike (2002) Und ich dachte, du bist schwanger. – Stuttgart.


Ein Buch, das heutzutage in jedes Regal gehört! Warum?

 

Weil es  ...
1. amüsant ist: Wir tauften unsere WG einfach in "W-Gay" um.

2. frustrierend ist. Gleich würden sie fragen: "Und Du bist die, die unsere Tochter verdreht hat?!"

3. liebevoll ist: Ich hatte immer nur sie gesucht und letztendlich auch gefunden!

 

Das Buch bietet neben der Unterhaltung auch Informationen wie:

Statistik: Wie viele Menschen sind bisexuell? Zwischen 2,5% und 60%! Geschichte:

Die 80er: In der DDR gaben Frauen verschlüsselte Kontaktanzeigen auf.

Sex: Wenn deine Freundin lustvoll unter dir aufstöhnt, hast du unter Garantie gerade etwas richtig gemacht.

 



Literaturliste als pdf herunterladen!





© ABqueer 2006-2007 | Impressum   Stand: 15. Feb 2008