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Wer das liest ist schwul!

Dieser Satz, an eine Betonmauer geschmiert, sticht mir sofort ins Auge. 9:30 Uhr an irgend einem S-Bahnhof in Hellersdorf. Treffpunkt mit dem Team der Aufklärer_innen von ABqueer e.V. Die drei anderen kommen, ein fröhliches, wenn auch noch etwas verschlafenes "Hallo" ertönt von allen Seiten, es kann losgehen! Ein ganz normaler Tag im Leben einer ehrenamtlichen Aufklärer_in beginnt. Heute besuchen wir eine siebte Klasse in einer Gesamtschule. Wir kennen die Schüler_innen noch nicht, haben nur ihre Antworten auf einen Fragebogen erhalten, der ihre Grundeinstellung zu queeren Lebensweisen erfragen soll.



Was würdest du tun, wenn sich in eurer Klasse eine Person als homosexuell outen würde?



Die Klasse wird teilweise nach Geschlecht getrennt, da sich das im Laufe der zehnjährigen Erfahrung des Aufklärungs-Projektes meist als sinnvoll herausgestellt hat. Lehrer_innen sind während der Veranstaltung nicht anwesend. Unser Team ist wie immer geschlechterparitätisch besetzt, meistens gehen zwei Lesben zu den Mädchen und zwei Schwule zu den Jungs. Die transgender Teamer_innen können sich entweder auf eine Zielgruppe festlegen oder beide Gruppen besuchen. Die Jugendlichen sind aufgeregt und gespannt.



Seid ihr die Homos?



Meine Team-Kollegin und ich versuchen die Jugendlichen durch Spiele und eine Vorstellungsrunde etwas kennenzulernen, zu beruhigen und herauszufinden, welche Themen sie interessieren könnten. Dabei gibt es in den nächsten zwei Schulstunden keinen Frontalunterricht, sondern eine lockere Atmosphäre, wir sitzen im Stuhlkreis. Unser Ziel ist es, die Gewalt und Diskriminierung gegen homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle/transgender und intersexuelle Jugendliche in der Schule abzubauen. Aus diesem Grund versuchen wir unter anderem über nicht-heterosexuelle Lebensweisen mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Selbstbestimmte Sexualität, Verhütung von Geschlechtskrankheiten und andere Themen werden auch besprochen. 



Das Kondom dürft ihr gerne auspacken und euch über den Finger rollen und mit Gleitcreme einreiben oder aufblasen!


Die Methoden für unsere sexualpädagogische Arbeit sind vielseitig. Es gibt Bilderspiele zu Geschlechterrollen, beispielhafte Karten um über Diskriminierung ins Gespräch zu kommen und Geschichten. Beliebt ist auch der Grabbelsack, der von einem Liebesbrief bis zum Dental Dam, vom Deo bis zur Strandmuschel so allerlei Material beinhaltet, um mit den Jugendlichen in eine Diskussion einzusteigen.



Wozu braucht man eigentlich einen BH?



Es werden bei jeder Schulveranstaltung je nach Alter und Interesse der Schüler_innen ganz unterschiedliche, interessante Themen behandelt.



Ist es denn wichtig zu wissen, ob eine Person weiblich oder männlich ist?



Mal werden die Rollen von Frauen und Männern und die Heteronormativität hinterfragt, über lesbische und schwule Prominente geplaudert oder die Verfolgung von Homosexuellen beispielsweise in der NS-Zeit und auch in anderen Ländern besprochen. Auch das mögliche Coming-Out einer Person in der eigenen Clique oder Familie kann thematisiert werden. Wichtig ist uns auch das biographische Erzählen. Wir berichten von unseren eigenen Erfahrungen als Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in der Schule, in der Familie und in unseren (Liebes-) Beziehungen und beantworten alle Fragen.

 

Wo hast du denn deine Freundin kennen gelernt?



Nach der Veranstaltung, die Jugendlichen plaudern noch über ihre möglichen Reaktionen auf einen schwulen Vater, besprechen wir Teamer_innen die Veranstaltung mit den Lehrkräften (natürlich verraten wir keine einzelnen Beiträge der Schüler_innen). Wir evaluieren unsere ehrenamtliche Arbeit gemeinsam beim Weg nach Hause und in der nächsten Teamsitzung am folgenden Dienstag. Dort wird aus den Veranstaltungen berichtet, Feedback gegeben, Verbesserungen erarbeitet, grundlegende Diskussionen geführt und viel gelacht!



Erst vor wenigen Wochen hat sich das Aufklärungsprojekt von ABqueer e.V. mit viel Spaß zum Thema gewaltfreie Kommunikation fortgebildet.



Wer nun Lust bekommen hat, beim Aufklärungsprojekt mitzuarbeiten, kann gerne zur Teamsitzung, immer dienstags 20:00 Uhr, kommen oder bei unserem Projektkoordinator Ammo Recla anrufen. Wir freuen uns über jede motivierte und interessierte Person, die in unserem Team mitarbeiten möchte!  



ABqueer e.V.
Sanderstr. 15, 12047 Berlin
Tel: 030- 92 25 08 44,
Bürozeiten: Mo bis Do 10.00 bis 18.00 Uhr, Fr 10.00 bis
12.00 Uhr
info@abqueer.de.


Nino Kern





© ABqueer 2006-2007 | Impressum   Stand: 20. Nov 2007